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Predigt


Jahreslosung: Suche Frieden und jage ihm nach.Ps. 34,15

Dem Frieden nachjagen, wie geht das? Soll ich nach Syrien fahren, Frieden stiften, oder nach Palästina?
Soll ich Trump, Assad, Erdogan besuchen, mit ihnen reden? Da gibt es kompetentere Leute, die das können. Ich muss den Frieden suchen, wo es mir möglich ist, wo ich etwas tun kann mit meinen Mitteln, in meiner Umgebung, Familie, Gemeinde, Nachbarn, an dem Ort wo ich wohne.
Wie das geht, dazu hat der Apostel Paulus etwas zu sagen.

Predigttext Römer 12,9-16

Es beginnt mit Liebe, in der deutschen Sprache ein Allerweltswort, es wird für vieles gebraucht. Wir lieben Pferde, Hunde, Katzen, manche lieben Briefmarken, gutes Essen, guten Wein usw. Der frühere Bundespräsident Heinemann wurde mal gefragt „Lieben Sie Deutschland?“, seine Antwort - „Ich liebe meine Frau“.
In der Bibel ist viel von Liebe die Rede, unser Problem: Im griechischen Urtext gibt es verschiedene Bezeichnungen für Liebe zwischen Mann und Frau, für die Zuneigung in der Familie, zwischen Freunden, der Leidenschaft für etwas, für die Liebe in der Gemeinde.
Was Paulus schreibt, gilt für jede Art von Liebe.
Die Liebe sei ohne Falsch, ohne Hintergedanken. Liebe ist grundlos, braucht keinen Grund, ist einfach da. Liebe ist bedingungslos, nicht: Ich liebe dich, wenn … das geht nicht. Wir sollen nicht nach dem Nutzen schielen, den sie uns vielleicht bringt. Liebe denkt nicht an sich, nur an den anderen.

Wir sollen das Böse hassen, verabscheuen, damit wir gar nicht erst in Versuchung kommen. Manche hassen nicht das Böse, sondern fürchten nur die Folgen, das ist nicht gemeint. Liebe sei herzlich wie die Liebe zu Familienangehörigen, Christen gehören zu einer Familie, Familie Gottes. Gott ist unser Vater, Christen sind Brüder und Schwestern, nicht eine Versammlung von Freunden. Freunde kann man sich aussuchen, Familie nicht. Geschwisterliche Liebe birgt ein Risiko, Verletzungsgefahr, wenn die Liebe verletzt wird, das tut weh. Die Folge ist Bitterkeit, Selbstmitleid, das will Paulus nicht, das kann Familie zerstören – und die Gemeinde.

Einer komme dem anderen mit Ehrerbietung zuvor. Viele Schwierigkeiten in der Kirche betreffen irgendwelche Rechte, Vorrechte, Stellungen und Ansehen. Einer fühlt sich übergangen, bekommt einen geringeren Platz als ein anderer. Schon gibt es Ärger. Das gibt es in der Kirche, aber noch mehr im Berufsleben. Nach langen Jahren im Beruf weiß ich wovon ich rede. Ehrerbietung ist schwer, wenn man verletzt ist, aber zahlt sich aus. So ist oft aus einem Gegner ein guter Kumpel geworden. Ehrerbietung gegenüber Vorgesetzten nicht so schwierig, Ehrerbietung gegenüber Untergebenen ist wahre Führungsqualität. Wir müssen nicht ständig den Kopf einziehen, das hat Paulus auch nicht getan, er hat seinen Standpunkt klar und deutlich vertreten. Er hat sich nicht auf der Nase herumtanzen lassen, aber blieb immer respektvoll auch bei Gegnern.

Seid nicht träge in dem was ihr tun sollt, in der Gemeinde, im Alltag, im Beruf. Gott ist Schöpfer, er hat uns geschaffen, dass auch wir schöpferisch sein sollen. Ob jemand Kaffee kocht, ein Essen bereitet, seinen Garten bestellt, einen Schrank aufbaut – immer wirkt der schöpferische Geist von Gott, wenn wir unserer Arbeit mit Hingabe dienen.

Seid brennend im Geist. In der Offenbarung Johannes sagt der auferstandene Jesus, wir sollen heiß oder kalt sein, aber niemals lau. Wer wirklich begeistert ist, wird oft schief angesehen, Schwärmerei, so heißt es oft.

Dient dem Herrn, wirklich dem Herrn, nicht der eigenen Eitelkeit, unserem Geltungsbedürfnis. Bei vielen ist der Terminkalender voll. Wir müssen unsere Prioritäten überprüfen, ob wirklich Gott im Mittelpunkt steht. Wir sollten darauf achten, Termine nicht zu eng verplanen, sondern dass Spielraum bleibt für Aufgaben, die unvorhergesehen auf uns zukommen. Natürlich sollen wir auch Spaß haben, die Freizeit genießen, aber das wichtigste darf nicht zu kurz kommen.

Nehmt euch der Nöte der Heiligen an. Meine Nöte bei Gott gut aufgehoben,
deshalb bin ich frei, mich für Nöte der anderen interessieren. Paulus denkt zuerst an Menschen in der Gemeinde. Wir sollen uns nicht abschotten, Gastfreundschaft pflegen. Unser Wohnzimmer dient oft besser zum reden als ein Raum in der Gemeinde.
Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden. Gott will, dass wir Anteil nehmen in Freud und Leid. Auch wenn wir nicht helfen können, Zuwendung ist immer hilfreich.

Segnet, die euch verfolgen - im eigenen Laden, der Kirche. Paulus weiß, wovon er spricht. Er wurde angefeindet, verleumdet, aber ist immer der liebevolle Seelsorger geblieben. Auch im Beruf, unter Nachbarn passieren oft ungute Dinge. Aber unsere Aufgabe ist segnen in jeder Situation.

Seid eines Sinnes. Jesus hat gebetet: „Vater, ich bitte dich, dass sie alle eins seien“.
Hier wird deutlich: Einheit ist Gabe Gottes, aber müssen wollen. Wir sind nicht alle gleich. Aber es ist falsch zu denken: So wie ich bin, so müssen alle sein. Einheit ist Liebe, Verzicht auf Rechthaberei, werdet nicht eingebildet.

Haltet euch nicht selbst für klug. Wir sind sicher nicht dumm, aber wissen nicht alles, können nicht alles. Ich muss erkennen was Gott mir mitgegeben hat und was nicht. Paulus sagt an anderer Stelle: „...dass niemand mehr von sich halte, als sich's gebührt,“ auch nicht weniger, maßvoll. Ich soll keine Dinge anstreben, die über die Gaben hinausgehen, die mir von Gott gegeben sind. Ich soll meine Gaben richtig einschätzen. Ich darf aber auch keine Gaben unnötig brachliegen lassen, es ist falsche Bescheidenheit zu sagen „ich kann nichts tun“.

Als Christen leben, wie geht das? Paulus schreibt: „Stellt euch nicht dieser Welt gleich, ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes“. Das heißt: „Verhaltet euch nicht so, wie es heute üblich ist, sondern lasst euch umgestalten". Wenn wir das wollen, können wir nicht sagen „ich bleibe wie ich bin“. Dann hat der Geist Gottes die Möglichkeit, unser Denken zu verändern. Wir können das nicht von uns aus be­werkstelligen, wir müssen an uns geschehen lassen.

Lieblosigkeit schadet uns selbst am meisten. Wer Jesu Liebe nicht durch sich wirken lässt, versäumt schön­ste Möglichkeit, mit Jesus und mit den Menschen ver­bunden zu sein. Es ist sicherlich nicht immer ganz leicht, aber es steht weitgehend in unserem Willen.

Wir dürfen Gott um Führung bitten. Bei der Führung geht es nicht darum, was grundsätzlich richtig ist. Was jetzt wichtig ist, ergibt sich aus der jeweiligen Situa­tion. Es gab immer wieder einzelne, entscheidend beigetragen haben, dass die Welt Willen Gottes erkannt und in einigen Punkten soweit wie möglich verwirklicht hat. Z. B. John Wesley, der uner­müdlich und kompromisslos die Missstände des Sklaven­handels gegeißelt hat, bis schließlich ein Politiker erweckt und beunruhigt wurde und sich für die Abschaffung des Sklavenhandels einsetzte.

Wenn Überzeugung der Chri­sten nicht nur auf dem Pa­pier steht, sondern auch von uns Christen gelebt wird, dann wird auch das andere wahr werden, dass wir nämlich Salz und Licht sind, wie Jesus sagt.
Wenn das Salz nicht mehr salzt, wenn das Licht nicht mehr leuchtet, was soll aus dieser Welt werden?

Suche Frieden und jage ihm nach, damit holen wir ein Stück Himmel auf die Erde.
Gott helfe uns dazu – Amen.